Wenn du seit Jahren in Deutschland lebst und dein Leben hier aufbauen willst, betrifft dich das Thema Rente. Nicht morgen. Jetzt.

Die gesetzliche Rente in Deutschland reicht nicht aus, um gut zu leben. Das ist keine Meinung. Es ist ein strukturelles Datum. Die durchschnittliche Frauenrente liegt bei 955 Euro im Monat. Die Armutsgefährdungsschwelle bei 1.381 Euro. Die Lücke ist offensichtlich.

Deshalb gab es den Riester. Und deshalb hat er aufgehört zu funktionieren.

Was der Riester war und warum er gescheitert ist

Im Jahr 2001 schuf die deutsche Bundesregierung die Riester-Rente als Antwort auf den demografischen Wandel. Die Idee war einfach: Der Staat gibt dir Zulagen, wenn du privat sparst.

Es klang gut. In der Praxis scheiterte es.

Das Problem lag im Design. Das Gesetz schrieb vor, dass Anbieter 100 % der Beiträge zum Renteneintritt garantieren mussten. Um diese Garantie zu erfüllen, investierten die Fonds konservativ. Geringe Rendite. Hoher Versicherungsanteil. Hinzu kamen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, die die Rendite weiter schmälerten.

Das Ergebnis

Ende 2024 gab es fast 15 Millionen Riester-Verträge. In jeden vierten wurde nicht mehr eingezahlt. Millionen zahlten jahrelang Gebühren und bekamen weniger heraus als bei einem normalen Sparkonto.

Die Riester-Rente ist nicht durch Pech gescheitert. Sie scheiterte durch ihr Design.

Was jetzt kommt: das Altersvorsorgedepot

Ab dem 1. Januar 2027 wird der Riester für neue Verträge geschlossen. An seine Stelle tritt das Altersvorsorgedepot, ein staatlich gefördertes privates Sparkonto. Der Bundesrat hat das Gesetz bereits verabschiedet.

Der entscheidende Unterschied: Die gesetzliche Beitragsgarantie entfällt. Das öffnet die Tür für ETFs und Aktienfonds mit höheren erwarteten langfristigen Renditen.

Du hast drei Varianten:

1
100 % Garantie
Konservativer, geringere Rendite. Für alle, die kein Marktrisiko eingehen wollen.
2
80 % Garantie
Ein Mittelweg zwischen Sicherheit und erwarteter Rendite.
3
Ohne Garantie, mit ETFs
Höhere erwartete langfristige Rendite. Mehr Marktrisiko. Beinhaltet das Standarddepot mit einem Kostendeckel von 1 % pro Jahr.

Wie viel der Staat beisteuert

Maximale jährliche Zulage
540 €
Bei 150 € monatlichem Eigenbeitrag
Erster Förderbereich: bis 360 €/Jahr
+50 %
Der Staat legt bis zu 180 € drauf
Zweiter Förderbereich: bis 1.800 €/Jahr
+25 %
Bis zu 360 € zusätzlich vom Staat
Pro Kind mit Kindergeld
+300 €
Pro Kind und Jahr, Mindesteigenbeitrag 25 €/Monat
Bonus für unter 25-Jährige
+200 €
Einmaliger Bonus bei Kontoeröffnung
Jährlicher Steuerabzug
1.800 €
Als Sonderausgaben in der Steuererklärung

Warum das wichtig ist, wenn du eine Migrantin bist

Ohne Beschönigung.

Strukturelle Nachteile, die sich summieren
  • Beitragsjahre im Ausland werden in Deutschland nicht immer vollständig anerkannt. Geringere projizierte Rente.
  • Im Durchschnitt niedrigere Löhne. Geringere Beiträge. Geringere zukünftige Rente.
  • Erwerbsbiografien mit Lücken, Teilzeit oder informeller Beschäftigung. Jede Lücke verringert die Rente.
  • Höhere Lebenserwartung. Dein Geld muss länger reichen.
  • Sprachliche und systemische Barrieren. Historisch geringerer Zugang zu formalen Finanzprodukten.

Die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen liegt bei rund 33 %. Rechnet man die Jahre außerhalb des Systems durch Migration hinzu, ist das Armutsrisiko im Alter real und konkret. Private Altersvorsorge ist keine Option, wenn du deinen Lebensstandard erhalten willst.

Vor- und Nachteile des neuen Systems

Was sich verbessert
  • Zugang zu ETFs. Der MSCI World hat historisch im Durchschnitt 6,6 % pro Jahr erzielt.
  • Die 50 % Förderung auf die ersten 360 € macht für Kleinsparerinnen einen echten Unterschied.
  • 1 %-Kostendeckel und Verteilung der Abschlusskosten über die Vertragslaufzeit.
  • Anbieterwechsel nach 5 Jahren kostenlos. Maximal 150 € Gebühr in den ersten 5 Jahren.
  • Keine Vorabpauschale während der Ansparphase.
  • Im Todesfall erhalten die Erben das angesparte Kapital vollständig.
Was du bedenken solltest
  • Keine Garantie bedeutet echtes Risiko. Ein ETF kann in einer Krise 50 % verlieren. Erholungsphasen können bis zu 15 Jahre dauern.
  • Der 1 %-Deckel des Standarddepots ist im Vergleich zu 0,2 % für einen Standard-Welt-ETF noch hoch.
  • Eine lebenslange Rente zahlt monatlich weniger als ein befristeter Auszahlungsplan.
  • Der Standardauszahlungsplan läuft bis zum 85. Lebensjahr. Du solltest darüber hinaus planen.
  • Vorzeitige Entnahme bedeutet Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile.
  • Das System ist freiwillig. Ohne automatische Einschreibung nutzen es genau die, die es am meisten brauchen, am wenigsten.

Was du jetzt tun kannst

Es gibt keinen Zeitdruck. Die Produkte des neuen Systems erscheinen im 4. Quartal 2026. Die Förderung startet im Januar 2027. Du hast Zeit zum Vergleichen.

Wenn du einen aktiven Riester-Vertrag hast
Nicht kündigen ohne Analyse. Eine Kündigung bedeutet die Rückzahlung aller erhaltenen Zulagen. Deine Optionen: Vertrag unverändert fortführen, in das neue System wechseln und Zulagen mitnehmen, oder Beiträge einfrieren und parallel ein Altersvorsorgedepot eröffnen.
Wenn du keine private Altersvorsorge hast
Das Altersvorsorgedepot bis zu 1.800 Euro pro Jahr mit staatlicher Förderung ist ein ernsthafter Ausgangspunkt, sobald die ersten Produkte auf den Markt kommen.
Bevor du irgendeine Entscheidung triffst
Prüfe deine Beitragsjahre in Deutschland. Fordere deine Rentenauskunft bei der Deutschen Rentenversicherung an. Berechne, wie viel du nach dem 65. Lebensjahr zum Leben benötigst.
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Dieser Artikel ist ein Bildungs- und Informationsangebot. Er stellt keine regulierte Finanzberatung (Anlageberatung) dar. BFF Finance Coaching bietet Finanzbildung und Coaching, keine personalisierten Anlageempfehlungen.